Hundeschule Inga Hauser
gemeinsam lernen - individuell trainieren

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Über den Sinn und Unsinn von Welpenstunden

Das wundersame Wesen vom Planeten Pluto


Über den Sinn und Unsinn von Welpenspielstunden

 

Immer wieder erreichen mich Anfragen, ob ich Welpenspielstunden anbiete. Auf meine verneinende Antwort hin spüre ich förmlich die Enttäuschung der meisten Kunden - und das verstehe ich auch: da hat man sich so ein kleines süßes Wesen zugelegt und ist entschlossen, alles gut und richtig zu machen und dem neuen Freund die beste Erziehung, die man sich nur denken kann, zu bieten. Und da gehört nun mal die Welpenspielstunde dazu - der Kleine kommt mit Gleichaltrigen zusammen, spielt und tollt mit ihnen herum und lernt auch noch nebenbei die ersten Kommandos, spielerisch natürlich. Eine Art Kindergartenvorschule für Hunde also - wer das nicht macht, wird später einen unsozialen Leinenpöbler oder Angsthasenhund haben - so ist jedenfalls die gängige Meinung vieler.  Nicht zuletzt wird ja auch etwas getan dafür, dass der Welpe so viele Umweltreize wie möglich kennenlernt - er soll ja später selbstsicher und gelassen durch die Welt gehen.

 

Und - Hand aufs Herz - ist es nicht einfach nur süß und lustig, so einer kleinen Rasselbande beim Toben zuzusehen?

Ich frage einmal andersherum: Muss wirklich jeder Welpe in einer Welpenspielstunde gewesen sein?

Fest steht, dass der Welpe Sozialverhalten nicht automatisch kann. Er hat die Anlagen dafür, aber er muss es lernen. Und das geschieht bei der Interaktion mit anderen Hunden. So weit, so gut.

Was aber passiert nun in einer Welpenspielgruppe?

Der Welpe kommt - im besten Fall - mit anderen Welpen zusammen, die seinem geistigen und körperlichen Entwicklungsstand entsprechen. Also mit Welpen, die auch erst lernen müssen, wie man sich im sozialen Miteinander benimmt.

Golden Retriever Welpe beim Spielen, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Jetzt die gute Nachricht: Natürlich können die Kleinen im freien Spiel Regeln des Umgangs untereinander erlernen - nicht viel anders verläuft es ja auch im Wolfsrudel, wo die Welpen eines Wurfs miteinander die ersten sozialen Erfahrungen machen - selbstverständlich im Spiel. Aber: Mindestens genauso wichtig ist im Wolfsrudel die Sozialisation durch ältere Tiere: zuerst ist da natürlich die Wolfsmama, die die Kleinen schon mal ausbremst, wenn sie zu sehr nerven. Das gleiche tut aber Vater Wolf auch und in einem Rudel helfen die Jungtiere (der Wurf vom Vorjahr)  in der Regel ebenfalls mit bei der Erziehung des Nachwuchses. Und diese Erziehung entspricht ja auch den Erfordernissen im realen Leben: das soziale Miteinander von Wölfen und Hunden sieht  nicht ein Leben lang so aus, dass man es nur mit Gleichaltrigen zu tun hat! Im Gegenteil, der junge Hund soll ja lernen, mit Hunden jeden Alters, jeder Größe und Rasse gut auszukommen und da ist eine Unterweisung durch Erwachsene sicher nicht das Schlechteste. Das reine Welpenspiel, wie viele es gerne sehen, ist also schon von sich aus nicht unbedingt geeignet, um das dem Hund beizubringen.

Es ist ein bisschen so, als würde man Vorschulkinder aufeinander loslassen nach dem Motto "jetzt spielt mal schön" und danach von ihnen erwarten, dass sie sich in einem Restaurant richtig benehmen können.

Die Sozialisation eines Welpen mit anderen Hunden erfolgt also am besten mit Hunden verschiedener Altersklassen und verschiedener Rassen. Und dazu braucht es nicht unbedingt eine organisierte Welpenstunde - der Besuch beim Nachbarshund, ein kurzer Spaziergang auf einer Hundewiese, vielleicht das Kennenlernen eines Hundekumpels bei Bekannten reichen vollkommen aus, um den kleinen Hund an einen pfleglichen und freundlichen Umgang mit Artgenossen zu gewöhnen.

Weshalb man Welpenschulen bzw. Welpenspielstunden ebenfalls kritisch betrachten sollte:

Der "Hachgottsinddiesüüüüß-Faktor"...

bestimmt zwangsläufig beim Zuschauen von spielenden Welpen die Wahrnehmung des unerfahrenen Hundehalters - und er ist nicht zu unterschätzen! Oft wird darüber übersehen, dass die kleinen Hunde in Wirklichkeit in eine Stresssituation hineingebracht werden, die ihrer Entwicklung gar nicht förderlich ist... Ich rede von schlecht organisierten und gemanagten Welpenspielgruppen, von denen es leider nach wie vor nicht zu wenig gibt: Wenn zehn Welpen durcheinander laufen und sich ins Koma spielen und ein Trainer vor Ort ist und der davon überzeugt ist, dass die das alles schon unter sich ausmachen, kann man getrost wieder gehen.

Werden die Welpen mit Drill und Zwang zu Übungen gezwungen und es geht zu wie auf dem Exerzierplatz, sollte man das Gelände selbstverständlich ebenfalls verlassen.

Das Gleiche gilt, wenn das Alter der „Welpen“ von 8 Wochen bis zu einem Jahr reicht. Eine Welpenstunde hat nie Welpen, die älter als 16 – 20 Wochen sind. Dann handelt es sich um Junghunde und die haben in der Welpengruppe nichts verloren. In eine Kindergartengruppe steckt man ja auch keine hochpubertären Teenies, um ein verträgliches Miteinander zu erlernen....



Auch ohne  Welpenspielgruppe kann ein  Welpe eine ganz normale Sozialisation mit Artgenossen erfahren. Wichtig ist, dass er Kontakt mit Artgenossen bekommt, aber das muss beileibe nicht das "Rundum-Wohlfühl-Hachgottsinddiesüüüüß" - Paket sein.

 





Das wundersame Wesen vom Planeten Pluto


Es hat sich viel getan in der Hundeszene. Mal abgesehen davon, dass es natürlich immer noch (zu) viele gibt, die meinen, Hunde müsse und könne man nur mit Zuckerbrot und Peitsche erziehen – wirklich, man hat doch den Eindruck, dass straf- und gewaltfreies Training auf dem Vormarsch ist und es den Hunden in unseren Breitengraden besser geht als noch vor einigen Jahren. Und das nicht zuletzt, weil das Interesse an der Verhaltensforschung enorm gestiegen ist und viele, viele Erkenntnisse davon zum Wohle unserer Hunde in das moderne Hundetraining eingeflossen sind. Ein Segen, wirklich - aber auch einer, der mir manchmal Unbehagen bereitet.

Es gibt mittlerweile eine riesige Menge an wissenschaftlich fundierter Literatur, die uns erklärt, wie dieses scheinbar fremde Wesen vom Planeten Pluto nun tickt und wie man das wissenschaftlich validieren kann, was diese Wesen auf ihren vier Pfoten so tun und was sie möglicherweise dabei empfinden und welche wissenschaftlich haltbaren Aussagen wir darüber treffen können bezüglich unseres Verhaltens den Hunden gegenüber. Dann kommen Dinge dabei heraus wie:

- Aversive Methoden schaden dem Hund in vielerlei Hinsicht und sie hemmen nachhaltiges Lernen

- Pausen helfen, Reize zu verarbeiten und emotional wieder ins Gleichgewicht zu kommen

- Hunde, die „auch mal“ selber Entscheidungen treffen dürfen, sind selbstbewusster und ausgeglichener

- Je sensibler der Hund, desto eher ist es wahrscheinlich, dass „unerwünschtes Verhalten“ auf eine emotionale Überforderung zurückzuführen ist

Und so weiter…

Ja. Eh.

Wenn es dann schließlich darum geht, in die Praxis zu gehen und Tipps zum täglichen Umgang mit Hunden zu geben, ist hauptsächlich die Rede von Kontrolle. Von Impulskontrolle, von kontrolliertem Begegnungstraining, von „kontrollierter Stimulation“... Dabei geht es nie um aversive Methoden, auch nicht im weitesten Sinne, nein, alles am Hund ausgerichtet, alles freundlich, mit positiver Verstärkung, Rücksichtnahme auf den Hund ….oder auf wen eigentlich?

Das ist nämlich genau der Unterschied.

Ich sehe meine Hunde als meine Lehrmeister, ich schaue ihnen zu und versuche, ein bisschen was von dem zu verstehen, was sie mir zeigen und sagen und mit ihnen eine Gemeinsamkeit zu erreichen, wo nicht der Hund sich mir anzupassen hat, sondern wo wir als gleichberechtigte Freunde unterwegs sind. Und da muss ich wirklich was dafür tun. Nämlich von meinem Sockel runtersteigen. Aber keine Feldforschung und keine Studien betreiben.

 

Dort steht der Mensch im Mittelpunkt, der muss analysieren, berechnen, kategorisieren, validieren. Sonst traut er dem, was das Herz vielleicht schon lange gesagt hat, offenbar nicht. Und dann werden, ganz, ganz am Ende des Erkenntnisprozesses, Handlungsanweisungen herausgeleiert, denen man vielleicht immer noch nicht so traut, weil da braucht es dann einen Clicker oder sonstiger technischer Hilfsmittel, um den Hund dahin zu bringen, was der Mensch… da sind wir schon wieder da, dass der Mensch im Mittelpunkt… versteht ihr, was ich meine?

Das Jagdverhalten ist der Schlüssel zur Seele unserer Hunde, sagt Ulli Reichmann. Heißt ja nix anderes, als dass ich als Mensch da nun mal akzeptieren muss und darf , dass ich eben nicht die Krone der Schöpfung bin, sondern ein ziemlich armes Würstl im Vergleich zu unseren Hunden. Und dass es eben Dinge gibt, von denen ich keine Ahnung habe und die ich wahrscheinlich auch nie zur Gänze erforschen kann…

Aber ist das nicht etwa ganz Großartiges? Etwas Entlastendes auch?

Nein, ich bin nicht wissenschaftsfeindlich, sondern habe größten Respekt vor all dem, was die Wissenschaft gerade im Bereich der Verhaltensforschung geleistet hat und noch leistet. Aber manchmal würde ich gerne all denen, die ein wissenschaftliches Backup brauchen, um das Wesen Hund vom anderen Stern zu verstehen, einfach nur zurufen wollen: Geht’s mit eurem Hund in den Wald und schaut’s, was er so tut!

 
 
 
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